Männerküche

20161028_150442

Neulich in einer Buchhandlung, am Regal mit den Kochbüchern. Mein Blick schweift über die an den Regalen angeschriebenen Unterthemen. Bis eines davon mich jäh aus meinen Gedanken reisst: Männerküche. Ein bisschen irritiert, doch neugierig, nehme ich die Buchtitel genauer unter die Lupe. «Nur für echte Kerle», «Das Steakbuch für echte Männer», «Beef! Für Männer mit Geschmack». Jedes einzelne dreht sich ums Fleisch, der einzig akzeptablen Zubereitung desselben (Grillen) und dem perfekten Getränk zu Fleisch (Bier). Die Kategorie der uniformierten Bücher für Männer nimmt unter all den anderen Kochbüchern nur wenig Platz ein. Alles andere fällt in dem Fall wohl unter die Sparte der Frauenküche. Ist ja selbstverständlich, schliesslich sind es die Frauen die kochen. Und sei es nur vor Wut.

In den letzten Tagen wurde richtigerweise viel über Sexismus geschrieben. Über den versteckten Sexismus, den Frauen jeden Tag erleben, über Chauvinismus in der Politik. Jüngst kam zu Tage, dass Nicaragua die Schweiz aus den Top Ten des internationalen Gender Gap Report verdrängt hat, einer Liste, die die errungene Gleichstellung abbildet.

Wenn wir das jetzige Tempo des Fortschritts halten, ist sie hier in 170 Jahren erreicht. Ein schwacher Trost für alle, die vorher leben und ein Armutszeugnis für eine aufgeklärte Gesellschaft. Dazu müssen wir nebst dringend nötigen politischen Massnahmen mit dem Alltags-Sexismus aufräumen. Doch das Gemeine an diesem ist, dass er zum Teil unsichtbar ist, denn er sitzt in unseren Köpfen als Filter der Realität. Es ist dieser Filter, der es uns normal finden lässt, dass die verzweifelte Hausfrau aus der Werbung auch heute noch nur dank des heldenhaften Vertreters ihre Kinder weiss anziehen kann, der nichts Besonderes daran findet, dass ein junger Mann keine Lehrstelle als medizinischer Praxisassistent erhält und der dazu führt, dass ich innerlich die Augen verdrehe, wenn das Panaché, unweigerlich vor mir, der einzigen Frau in der Männerrunde, hingestellt wird.

Das Skript dieses immergleichen Films ist älter als jedes Männerkochbuch und genau gleich absurd.
Es gibt kein einfaches Rezept gegen Sexismus. Er berieselt uns alle subtil, oft wird er erst im Nachhinein bemerkt, wenn es für eine Reaktion zu spät ist. Dazu ist auch nicht allen gegeben, auf anzügliche und altväterliche Sprüche schlagfertig zu antworten. Doch auch davon wird mensch irgendwann müde. Deswegen braucht es diese Debatte. Wir müssen über Sexismus reden und nicht mehr damit aufhören. Bis alle den Braten gerochen haben.

Carte Blanche geschrieben von Lena Frank für das Bieler Tagblatt. www.bielertagblatt.ch

2 I like it
2 I don't like it

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *