Die 42 wichtigsten Dinge, die ich meinen Kindern über Sex beibringe

birdsnbees

von Lyla Cicero, elephantjournal.com 
Übersetzt aus dem Englischen und leicht adaptiert von Franziska Schutzbach, publiziert auf 40dinge.phwa.ch

  1. Monogamie ist nur eine Möglichkeit im Liebesleben. Sie ist nicht unbedingt besser oder gesünder. Überlege dir, wie du dein Liebesleben und deine Beziehungen gestalten willst, anstatt dich gedankenlos vorgegebenen Normen oder Verpflichtungen zu unterwerfen. Treffe eine bewusste Wahl.
  2. »schwul«, »lesbisch« oder »heterosexuell« sind sehr vereinfachte Kategorien. Die meisten Menschen sind irgendwo dazwischen. Sexuelle Orientierung kann sich immer wieder ändern. Und manche Menschen identifizieren sich nicht mal eindeutig als »männlich« oder »weiblich«.
  3. Es ist ok, zwischendurch unverbindlichen Sex zu haben, wenn du darauf Lust hast und dich wohl fühlst. Falls du einen Fehler begehst, kannst du daraus lernen.
  4. Jemanden als »Schlampe«, »Nutte« oder »Hure« zu beschimpfen, ist nie okay. Ob die Beschimpfung von dir aus kommt oder gegen dich gerichtet ist, merke: Es ist nicht falsch, Sex zu haben, Sex zu geniessen, oder über Sex zu sprechen.
  5. Kein Sex sollte dich emotional beschädigen.
  6. Zustimmung ist das wichtigste in einer intimen Begegnung. Alle Beteiligten müssen dem Sex zustimmen. Sex muss immer freiwillig sein. Es gibt keine Graubereiche, und es ist niemals zu spät, nein zu sagen.
  7. Zustimmung bedeutet mehr, als nicht »nein« zu sagen. Zustimmung bedeutet, dass alle, die involviert sind, bei klarem Bewusstsein sind (also zum Beispiel nicht komplett betrunken). Nur so können sie klare Entscheidungen darüber treffen, was sie wollen oder nicht wollen. Zustimmung bedeutet, dass man in der Lage ist, zu einer sexuellen Situation aktiv »ja« zu sagen. Entweder in Form von Worten oder in Form von Handlungen.
  8. Verbringe viel Zeit damit, über Sex nachzudenken, auch darüber, von wem und wovon du dich angezogen fühlst. Du kannst auch experimentieren und Sex mit Menschen unterschiedlichen oder gleichen Geschlechts ausprobieren. Du solltest nicht das Gefühl haben, dass du dich für das eine oder andere entscheiden und dann dabei bleiben musst. Sexuelle Orientierung ist flüssig und nicht fest. Jedoch leben wir in einer Kultur, die alles festlegen will, und zwar meistens im Rahmen von genau zwei Kategorien, wie zum Beispiel hetero-homo, Mann-Frau usw. Lass dich davon nicht einengen.
  9. BDSM (Bondage&Discipline, Sadomasochismus) ist etwas, das du vielleicht ausprobieren möchtest.
  10. Das wichtigste BDSM-Motto lautet: »sicher, bei Bewusstsein und alle müssen zugestimmt haben«. (Englisch »safe, sane, and consensual«)
  11. Kink und BDSM sind normale und gesunde Formen der Sexualität.
  12. Sex sollte niemals weh tun, es sei denn, dass Schmerzen von allen Beteiligten ein gewolltes Ziel sind. Lass dir von niemandem erzählen, dass Schmerzen notwendig sind, um Sex »auszuhalten«- weder beim ersten Mal noch bei jedem weiteren Mal.
  13. Wenn Geschlechtsverkehr Teil des Sexes ist, sollte das Vorspiel so abwechslungsreich wie möglich sein und so lange dauern, bis beide Personen sicher sind, dass sie bereit sind für Penetration.
  14. Feuchtigkeit ist bei Frauen nur der Anfang der Erregung. Sie ist nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass sie bereit sind für Geschlechtsverkehr.
  15. Im Allgemeinen solltest du orale Befriedigung bekommen, wenn du sie gibst. Es sei denn, du bevorzugst es, keine zu bekommen. Sex sollte reziprok sein (geben und nehmen).
  16. Penetration ist nur eine von vielen anderen Möglichkeiten, Sex zu haben. Du kannst auch tollen Sex ohne Penetration haben.
  17. »Herausziehen« ist eine sehr schlechte Methode der Verhütung.
  18. Kondome sind keine zu hundert Prozent sichere Verhütungsmethode.
  19. Hormonelle Verhütung kann in vielen Hinsichten unangenehme Nebenwirkungen haben, über die dich Ärzt:innen nicht immer informieren werden.
  20. Es ist hilfreich, wenn du vaginale oder anale Penetration erst an dir selber ausprobierst. Benutze Gleitgel, beginne mit kleinen Dildos.
  21. Lerne, dich selbst durch Masturbation zum Orgasmus zu bringen, dann weißt du, wie es sich anfühlt, bevor du Sex mit einer anderen Person hast.
  22. Masturbieren ist normal, gesund, macht Spass und entspannt. Masturbieren kann man genau so praktizieren, wenn man in einer oder mehreren Beziehungen ist, wie auch wenn man in keiner Beziehung ist.
  23. Deine Sex-Partner:innen können deine Gedanken nicht lesen. Du musst ihnen sagen, was du magst oder nicht magst. Und sie müssen es dir ebenfalls sagen.
  24. Es ist nicht falsch, Pornos anzuschauen. Am besten du schaust dir eine möglichst breite Auswahl an unterschiedlichem erotischem Material an. Dazu gehören Mainstream-Porno, feministische Pornos oder andere Pornos, erotische Literatur oder auch deine selbst aufgeschriebenen erotischen Phantasien.
  25. Wenn du dir Pornos anschaust, solltest du dir klar machen, dass der grösste Teil dieser Filme sehr unrealistisch ist. Wenn man sich zu sehr daran gewöhnt, sich von Pornos erregen zu lassen, kann das negative Folgen für dein Sexleben mit anderen haben. Man sollte Pornokonsum nicht übertreiben.
  26. Fantasien sind nichts Falsches. Egal wie sie sind, auch wenn sie sich um jemand anderen drehen als die Person, mit der du zusammen bist oder die Person, mit der du gerade Sex hast.
  27. Sex mit mehreren Personen auf einmal kann Spass machen. Vielleicht möchtest du das ausprobieren. Besonders wichtig ist hier »Safer Sex«, also geschützter Sex.
  28. Analverkehr kann sowohl für Frauen als auch Männer befriedigend sein. Für Heterosexuelle wie auch für Homosexuelle.
  29. Wenn du beim Sex Rollen übernimmst, die du in anderen Zusammenhängen nicht übernehmen würdest, wie zum Beispiel von einer anderen Person dominiert werden oder eine andere Person dominieren, kann das Spass machen, aber nur, wenn es einvernehmlich stattfindet.
  30. Safer Sex kann auch Spass machen und sexy sein. Kreativität ist gefragt!
  31. Du solltest dich komplett frei fühlen, Sexpartner:innen jederzeit zu fragen, ob sie sich auf STD getestet haben (sexuell übertragbare Krankheiten). Aber merke: Falls deine Sexpartner:innen keine monogame Beziehung mit dir führen, ist der Status dieses Tests danach wieder »unbekannt«.
  32. Auch beim gleichgeschlechtlichen Sex können Krankheiten übertragen werden. Leider ist die Öffentlichkeit darüber schlecht informiert.
  33. Es gibt keinen hundertprozentig sicheren Sex. Am sichersten ist es, den Austausch von Körperflüssigkeiten zu vermeiden.
  34. Es gibt sexuell übertragbare Krankheiten wie HPV, von denen man sich kaum schützen kann. Gleichzeitig gibt es finanzielle Interessen, die uns bezüglich einer HPV-Infektion unnötig Angst einjagen. Entscheide selbst, ob du damit leben könntest oder die Übertragung unter allen Umständen vermeiden möchtest.
  35. Lass dir von niemandem erzählen, dass man aus Sex herauswächst. Aber merke, dass deine sexuellen Erfahrungen sich verändern werden in unterschiedlichen Lebensphasen.
  36. Vor dem Geschlechtsverkehr mit gegengeschlechtlichen Sexpartner:innen solltest du dir über die Konsequenzen einer möglichen Schwangerschaft Gedanken gemacht haben. Und darauf vorbereitet sein, dass Schwangerschaft ein Thema werden könnte. Auch dann, wenn du viele Verhütungsmittel benutzt.
  37. Keine Schwangerschafts-Verhütung ist zu hundert Prozent sicher. Eine Risikorate von 1 bis 2 Prozent ist recht hoch, es muss dir bewusst sein, dass man recht schnell eine oder einer von 100 sein kann.
  38. Verschiedene Sexpartner:innen zu haben kann erfüllend, empowernd und schön sein und dir dabei helfen, vieles über dich selbst herauszufinden und darüber, was du magst. Diese Erfahrungen bringen dir auch etwas, wenn du dereinst eine monogame Langzeitbeziehung leben willst.
  39. Probiere viele Sextoys aus, wenn du magst, aber wasche sie regelmässig.
  40. Sexuelle Experimentierfreudigkeit, Rollenspiele, Sextoys, zusätzliche Partner:innen usw. können gute Möglichkeiten sein, Langzeitbeziehungen sexuell aufregend zu machen. Wichtig dabei ist eine aufrichtige, ehrliche Kommunikation. Sex wird sich in einer Langzeitbeziehung anders anfühlen nach der Honeymoonphase, und auch mehr »Arbeit« sein.
  41. Im Allgemeinen gilt: Wenn es dir unangenehm ist, über etwas zu sprechen, wird es dir vermutlich auch unangenehm sein, es auszuprobieren. Guter Sex erfordert gute Kommunikation.
  42. Erlebst du sexualisierte Gewalt oder einen anderen Übergriff, solltest du mit jemandem darüber sprechen oder dich an eine Beratungsstelle wenden.
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#SchweizerAufschrei Admin :)

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