Frauen an die Instrumente!

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«Wenn die Frau will, dann steht alles still», sang Vera Kaa 1991 und lieferte damit den Soundtrack zu den grössten Schweizer Frauenprotesten aller Zeiten. 25 Jahre später soll – etwas zweckentfremdet – das Gegenteil erreicht werden: «Wenn die Frau will, dann steht nichts und niemand mehr still»! Für dieses Ziel kämpft Helvetiarockt.

Ein Artikel von Christoph Ruckli, erschienen im 041 kulturmagazin in der Ausgabe Juli/August

Welche drei Frauen im Schweizer Jazz, Pop und Rock kommen dir spontan in den Sinn?… Und nun drei Instrumentalistinnen!… Sendepause? Tja, dann willkommen in einer Welt, in der trotz Klangfarben immer noch eine krasse Eintönigkeit herrscht. Willkommen in der Schweizer Szene des Jazz, Pop und Rock, wo Frauen wenig verloren haben. Der Anteil Musikerinnen auf hiesigen  Bühnen beträgt aktuell verschwindend geringe fünf bis zehn Prozent, wobei gerade die Instrumentalistinnen rar sind. Das gleiche Bild zeichnet auch der Anteil an den Musikhochschulen: ein paar Pianistinnen, wenige Bassistinnen, Gitarristinnen, Saxofonistinnen und so gut wie keine Schlagzeugerinnen – immerhin Sängerinnen en masse. Kein Wunder: Tritt eine Instrumentalistin zur Aufnahmeprüfung an, sieht sie sich in der Regel  mit einer rein männlichen Prüfungskommission konfrontiert. Wer will da noch befreit spielen, wenn neben der üblichen Nervosität noch der Genderdruck hinzukommt? Ergänzend die Situation an hiesigen Nachwuchswettbewerben oder Konzertprogrammen, beispielsweise bei der Festivalsaison: Mann Mann Mann, der Phallus ist dominierend. Selbiges wiederspiegeln die Bereiche der Veranstaltungstechnik, der Bildung, bei Bookingstellen oder in Vorständen und Jurys. Beabsichtigt ist das sicherlich nicht – genügend Musikschaffende wünschen sich mehr Frauen im Programm. Doch wie will man diesem Mangel an Musikerinnen entgegenwirken?

Devise: Schicksal lenken

Die Zauberworte lauten Förderung, Stärkung, Vernetzung und Sensibilisierung: Vier Säulen, auf denen Helvetiarockt, eine Plattform für Frauen in der Musik aufbaut. Der Auftrag der Organisation ist es, den Anteil Musikerinnen auf 30 Prozent zu erhöhen und sie aus dem Minderheitsstatus zu befreien. Verschiedene Projekte dienen diesem Ziel: Im Juni fand beispielsweise der Empowerment Day statt, eine gigantische Gleichstellungsveranstaltung mit Podien, Vorträgen und Konzerten. Letztere werden zu einem Grossteil von der hauseigenen Talentschmiede «Female Bandworkshops» gegeben; ein ähnliches Prinzip verfolgt das «Female Bandcamp». In diesen Praxismodulen sollen Frauen erste Erfahrungen  – insbesondere als Instrumentalistinnen – in einer Band sammeln und Ängste vor Technik oder Auftritten verlieren. Erfahrene Musikschaffende stehen hierbei als Coaches zur Verfügung. Seit 2013 haben so schweizweit 140 Teilnehmerinnen die wöchentlich stattfindenden Workshops besucht. Daraus entspringen schlussendlich eine Stärkung der Strukturen sowie ein riesiger Vernetzungsapparat: Minderheiten fördern, Leiterinnen stärken, Parter_innen und Unterstützer_innen vernetzen.

Im Grossen und Ganzen ist die Gesamtsensibilisierung der Gesellschaft das wichtigste Gut für  Helvetiarockt. Es braucht Instrumentalistinnen, speziell als Vorbilder, fern der Geschlechterklischees – also auf, auf, ab an Gitarre, Bass, Schlagzeug oder Tuba, Posaune und Ableton Live. Die Devise ist klar: Das Schicksal lenken und nicht allzu gross darüber nachdenken! Der Sprung ins kalte Wasser bildet die neue, bunte Szene von Morgen. Und die Antwort auf die Eingangsfrage? Drei Vorschläge: Evelinn Trouble, Emilié Zoé und Odd Beholder.

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#SchweizerAufschrei Admin :)

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